Sonntag, 20. Juli 2014

Tempel und Wünsche – Kameras und lautes Essen

Um einen Tag verschoben, haben wir uns heute auf den Weg zum Meiji Schrein gemacht.
Wie man sicher weiß, gibt es in Tokyo eine ganze Menge Schreine und/oder Tempel, doch der Meiji Schrein ist wohl einer der bekannteren – auch unter den Touristen.

Wie schon öfter erwähnt, findet man überall in dieser "Megacity" die Natur vor und folgende Blumen, sorgten diesen Morgen dafür, dass wir stehenbleiben mussten, als wir sie am Straßenrand sahen:






Wir beschlossen heute die Metro zu nehmen und sind dann relativ in der Nähe des Schreins ausgestiegen. Zuerst befanden wir uns noch inmitten der Zivilisation, also rund um uns herum: Häuser soweit das Auge reicht. Doch lange dauerte es nicht und wir befanden uns an der Brücke, die uns in den Park bringen sollte, welcher uns bis zum Ziel begleitete.
Auf dem Weg zum Schrein gingen wir unter einigen großen Toren hindurch – sogenannte Torii – es waren schon ganz besondere Bauwerke in ihrer Schlichtheit, Eleganz und Größe wirkten sie für sich alleinstehend wie etwas ganz besonderes.


Dies war auch das größte jemals gebaute Torii und es war wirklich viel größer, als es vielleicht auf den Fotos wirkt.



Als wir noch ein wenig weiter gegangen waren fanden wir auf der rechten und der linken Seite des Weges eine riesige Ansammlung von Fässern.

Im Gegensatz zu dem was einige behaupten, befindet sich in folgenden Fässern kein Reis, sondern Reiswein "Sake".


Berichtigt mich wenn – aber warum sollte ich Reis in Fässer füllen?

Auf der gegenüberliegenden Seite, befand sich eine Reihe mit Weinfässern aus dem Westen:


Auf einem von vielen Schildern stand geschrieben, dass der Kaiser Meiji zu seiner Zeit viele Kontakte zum Westen aufbaute, um die damals noch fortschrittlichere Technologie von diesem mit der Tradition des eigenen Japans zu vereinen.

Vereinzelt wurde der Weg an den Seiten mit kleinen Zäunen aus Bambus abgegrenzt:







Ja genau, diese No Smoking Schilder findet man beinahe überall in Japan und es ist kaum ein Wunder, dass man sehr selten einen Japaner rauchen sieht.


Und auch solche fand man in regelmäßigen Abständen am Wegesrand, bis wir dann endlich das große Gelände des eigentlichen Schreins erreichten:




Direkt beim Schrein gab es dann einen kleinen Stand, bei dem man Talismane kaufen konnte, und kleine Plättchen, welche man dann später weiterverwenden konnte – klingt blöd, ist aber so ;)

Wir hatten uns dann jeder einen passenden und einen hübschen Talisman gekauft und noch etwas mehr.

Es gab zahlreiche kleine Gebäude auf dem Gelände, doch die meisten durften nicht direkt betreten werden.
Das machte allerdings nichts, denn auch als Tourist, sollte man nicht alles belatschen und angrabschen müssen.


Hier noch ein Torii:

Dort konnte man hingehen und seinen Respekt zollen, das funktionierte so:

Man ging zu den großen "Fenstern" und warf eine Münze – oder auch mehrere in eine Art hölzernen Behälter dahinter, man verbeugt sich zwei mal, klatscht zwei mal in die Hände und verbeugt sich noch ein weiteres Mal.


Dann bot sich hier zweimal die Möglichkeit seinen Wünschen und Gebeten eine Form zu verleihen.

Die erste war, man nimmt sich einen Zettel aus einem dafür vorgesehenen Kasten. Auf den Zettel, schreibt man dann seine Gebete und Wünsche, und tut diesen dann in den dafür vorgesehenen Umschlag.
Diese Gebete, müssen allerdings mit Respekt und Demut erfolgen.
Dann nimmt man den Umschlag und steckt in in einen großen hölzernen Kasten.


Hier einmal die fertigen Umschläge, bevor wir sie ihrem Schicksal überlassen haben:


Die zweite Möglichkeit – und dazu benötigten wir nun die zuvor gekauften kleinen Plättchen, funktioniert so ähnlich.

Man nimmt sein Plättchen und geht damit an einen kleinen Tisch wo Stifte bereitliegen.
Mit diesen schreibt man nun ebenfalls in Demut und Respekt seine Gebete auf …


… dann nimmt man das Plättchen und hängt es an einen der Haken zu vielen weiteren Plättchen, die dort von Touristen aber auch vielen Einheimischen aufgehängt wurden.

Wir haben uns unsere Wünsche nicht gezeigt – liegt aber daran, dass Sada es nicht wollte, aber dazu kommen wir später noch einmal.



Als wir unsere Wünsche und Gebeten offenbart hatten, dem Schrein unseren Respekt zollten – oder eher den Göttern – machten wir uns nun langsam auf den Rückweg durch den Park zurück in die Stadt.
Ganz in der Nähe des Meiji Schreins befand sich Shinjuku.

Shinjuku war wieder das blühende Leben.

Unser erstes Ziel war das Marui Annex, ein etwas größeres, mehrstöckiges Gebäude, welches Anlaufstelle so mancher Fashion-Begeisterten ist. So auch bei uns: ab in den Stock, wo es die guten Sachen gibt. Zuerst gingen wir in Alice and the Pirates hinein, ein Label, dass sich auf Gothic Lolita spezialisiert. Nach einigem Anprobieren, wurden dann ein Kleid und ein Bolero gekauft. Immer dazu gab es eine Karte, in der Stempel gesammelt werden konnten, die beim nächsten Einkauf sich erweiterten und schließlich einen Rabatt ergeben konnten. Was außergewöhnlich war: man wurde zum Ende des Ladens begleitet und dort wurde unter freundlicher Verbeugung die volle Tasche mit dem Gekauften überreicht. Als nächstes kauften wir bei Metamorphose noch ein passendes Paar Rocking Horse Schuhe (die Verkäuferin war so niedlich wie ein wirbelnder Hamster) und in Baby the Stars shine bright, welches das süßere Label gegenüber Alice and the Pirates darstellt, kam noch ein Haar-accessoire hinzu und das Lolita-Herz war für diesen Tag vollends zufrieden.
In einem etwas kleineren Laden, welcher sich auch auf Modellbau spezialisierte und "Leidenschaft" hieß, kauften wir dann noch ein paar Sachen zum Thema Blythe, vielleicht kennt der ein oder andere diese Püppchen.

Susi wollte sich nun noch eine süße Polaroidkamera kaufen und so sind wir zu dem wohl größen Elektronikgeschäft gegangen, was mir je untergekommen ist: Big Camera

Big Camera ist eine riesige Kette und noch viel riesiger ist ihr Angebot - und der Titelsong geht uns nicht mehr aus dem Kopf, weil er so schmissig ist.

Wir waren ja bereits zuvor in Yodobashi Camera was uns mit dem Angebot überwältigte und Big Camera stand dem in keinster Weise nach.

Auf dem Weg dorthin, fanden wir folgendes Banner für einen Friseur:


Zurück aber zu Big Camera: Das Angebot war überwältigend und die Preise einfach top. Ein kleines Beispiel gefälligst?
Sada benötigte eine Speicherkarte für die PSVITA, die in Deutschland zb. bei Amazon über 40 Euro kostet.
Bei Big Camera, hatte ich etwas über 20 bezahlt und es gab sogar noch 5% Rabatt darauf.

Die Kamera selbst hatten wir zuerst nicht gefunden, wie gesagt das Angebot war überwältigend, doch ein netter Japaner – der dort aber nicht gearbeitet hatte – merkte wohl, dass wir etwas suchen und so zeigte ich ihm ein Bild auf meinem Handy.
Er wusste sofort Bescheid und brachte uns zu dem Punkt, wo wir zahlreiche dieser Kameras fanden – in allen Größen, Farben und Formen, warum ist der Westen eigentlich so eintönig?

Wir suchten uns dann natürlich auch eine passende für Susi aus und zwar:


Ja genau, eine supercoole Polaroidkamera :D

Dann kauften wir noch passende Filme dazu und noch die PSVita Speicherkarte.
Als es ans bezahlen ging, die nächste Überraschung.
Der nette Verkäufer meinte, wenn wir kurz mitkommen und unsere Reisepässe zeigen würden, gäbe es noch Rabatt darauf, da sie als steuerfrei verkauft werden würden.
Gesagt getan und während der Verkäufer mit sehr guten Englisch alles erklärte, zahlten wir am Ende mit der Visakarte, wurden glücklich und machten ihn auch glücklich, als wir ihm erzählten, dass wir aus Deutschland kommen.
Dann gratulierte er uns noch zum Sieg der Fußball WM – Wir haben es als nicht Fußball-interessierte - nicht verstanden :D
Und zum Schluss bekamen wir dann sogar noch zwei hübsche Taschentücher gratis dazu und die vom Verkäufer ausgefüllte Schrift für den Zoll - das ist doch Service, der begeistert!

Nachdem wir dort unser Geld also gelassen haben, sind wir noch in einen 100 Yen Laden gegangen – das ist sowas wie ein 1 Euro Laden, nur dass man dort nicht nur Schund zu kaufen bekommt, sondern wirklich Innovative und teils sehr hochwertige Sachen.

Wir kauften dann ein paar Sachen für wenig Geld – zb ein paar Kleinigkeiten zum erstellen von Bentoboxen :) – natürlich alles stilecht bunt! :D

Dann wurde es auch Zeit einmal etwas zu essen, also gingen wir raus in das dunkle Shinjuku und schauten uns um.
Wir schauten uns gerade eine große Tafel vor einem Laden an, als wir von der Seite freundlich auf englisch angesprochen wurden.
Der Mann – der wohl in einem der Läden arbeitete, holte sofort eine große Speisekarte hervor und erklärte uns jedes einzelne Gericht und Getränk.
Wie kann man da noch ablehnen, also folgten wir ihn die Treppe hinunter und fanden uns erneut in einer ganz anderen Welt wieder.
Es war ein relativ kleiner Raum mit vielleicht 5 Tischen an jeder Wand.
Die Stimmung war heiter und laut – aber wir setzen uns und bekamen kurz darauf einen Hocker gereicht für unsere Taschen, und die Speisekarte.
Noch einmal, klärte man uns über die verschiedenen Menüs und Sparangebote auf und auch wenn es wie erwähnt, relativ laut gewesen war, bestellten wir und bekamen dann auch zeitig unser Essen.

Ahso, Sada hatte den Mut zusammengefasst, und sich japanisches Bier bestellt und es war wirklich gut. und Kopfschmerzen, wie sonst gab es auch nicht :D

Susi bestellte gebratenen Reis, Sada Meeresfrüchte Okonomiyaki und für beide gab es noch Yakitori.
Sehr lecker, sehr interessant und sehr zuvorkommend.

Wir verließen also gut gesättigt das Restaurant und merkten wie spät es eigentlich schon geworden war. Also suchten wir die Shinjuku Station und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel. Das noch ins Auge gefasste Kiddyland, nahmen wir uns für ein anderes Mal vor.


Aber nun noch ein paar persönliche EIndrücke.

Sada:
Die Wünsche am Meijischrein waren für mich mit das Highlight.

Ich kann nicht genau sagen, ob ich an etwas glaube, in die Kirche gehe ich jedenfalls nicht, doch möchte ich gerne und die Art und Weise, wie die Japaner ihre Götter ehren und ihre Gebete vorbringen, ist etwas, womit ich mich am ehesten identifizieren kann. Irgendwas ist da, und wenn es am Ende nur die eigene Überzeugung ist, die Wünsche wahr werden lässt.

Wie ja oben erwähnt, wollte ich nicht, dass wir uns gegenseitig die Wünsche erzählen, oder die Brettchen zeigen. Susi und ich, haben eigentlich keinerlei Geheimnisse, doch meine Gebete, Hoffnungen und Wünsche, sind zwar naheliegend für jeden der mich kennt, aber doch etwas, was ich nur für mich persönlich haben möchte.
Ich kann ja oft nicht meine Klappe halten, aber hierbei halte ich dicht.
Ich muss auch zugeben, dass ich kein Mensch bin, der sich lieber Frieden für die Welt wünscht. Natürlich wünsche ich mir das, aber ich glaube, ich bin kein egoistischer Mensch in meinem Alltag und somit möchte ich wenigstens bei meinen Gebeten ein wenig egoistisch sein.

Das Einkaufen im Big Camera war wieder ein Erlebnis und wo ich in Deutschland keine Lust habe zu shoppen, oder auch nur etwas anzusehen, könnte ich das hier den ganzen Tag tun.
Nicht, weil es nur verrückt Dinge gibt. Es ist einfach das Angebot an sich, was mein Interesse weckt und mir Dinge bietet, die ich nicht als übertrieben, oder verrückt sehe, sondern einfach … that's it!

Die Freundlichkeit der Verkäufer ist etwas, war mir sonst im Leben immer fehlte, und auch an diesem Tag, merkte man einfach, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer Freude an ihrer Arbeit haben und auch wenn sie anstrengend ist, keinerlei erzwungene Freundlichkeit in ihren Gesichtern.
Das Essen, war ein weiteres kleines Abenteuer, wieder einmal eine ganz andere Gegebenheit, Stimmung und auch das Essen war einmal wieder etwas ganz anderes.
Bisher hielten wir uns nur an das japanische Essen und alleine dieses, breitet sich in Facetten aus, die habe ich so noch nicht erlebt und einem wird schon beinahe schwindelig, bei diesem Essenskarrusell

Susi:
Der Tag war wirklich zweigeteilt - zum einen der Meiji-Schrein, der bei meinem nun zweiten Besuch viel ruhiger war. Und zum anderen Shinjuku - und endlich der Besuch im Marui Annex und genug Geld dabei haben, um Dinge zu kaufen, von denen man schon lange träumt - endlich mal direkt und nicht immer nur über einen Shopping Service. Denn der Einkauf an sich ist ein Erlebnis, auf das man sonst verzichten muss, wenn man an japanischer Mode interessiert ist und in Deutschland keinen Laden vorfindet, der das gewünschte im Angebot hat.
Mein Highlight war definitiv der Kamera-Kauf. Man möchte ja meinen, dass zwei Kameras genug sind, aber diese Polaroid-Kamera hat es mir wirklich angetan. Man muss sich wirklich komplett neu einstellen auf die Art der Fotografie - und man kann letztendlich nichts mehr retouschieren oder verbessern. Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich mich dort hineingefuchst habe, aber ich sag mal so: Herausforderung angenommen!
Und zudem: Lolita-Klamotten. Yaaaaaaaay! Seitdem wir hier sind, finde ich ja auch immer mehr den Casual Style der Japanerinnen interessant und hole mir viele neue Anregungen. Aber Lolita gehört einfach dazu und da ich bereits recht tief in der Mode drin stecke, weiß ich zum Glück auch, was mir gefällt und was ich wie kombinieren kann. Das erleichtert einem das Shoppen enorm und bewahrt vor Fehlkäufen!
Der Meiji-Schrein hingegen, war beinahe wie ein Traum, da es so still und bedächtig war und ich glaube, dass ich mir irgendwie wohl immer dasselbe wünsche - und dies betrifft meist eher die Menschen, die ich liebe, als mich selbst. Aber mit diesen Wünschen bin ich am glücklichsten.



Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal


Susi und Sada



















































































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